«Learning from Context(s)» versteht Architektur als das präzise Lesen und Zusammenführen vielschichtiger Bedingungen. Jeder Ort ist ein Gefüge aus Klima, Boden, Politik, Ökonomie, Stadt, Geschichte und Gebrauch – nie leer, immer situativ. Architektur wird als Praxis des Zusammenfügen verstanden: Bedeutung entsteht durch die Beziehungen, die wir knüpfen.
Das Studio verbindet das HIL – eine offene, flexibel gedachte Struktur der 1970er-Jahre – mit der progressiven Haltung der Genfer Schule, deren interdisziplinäre, kollektive und kontextbasierte Denkweise bis heute wirkt. Aus dieser Doppelbewegung entsteht der Ansatz, das HIL nicht nur baulich, sondern als Lern‑, Arbeits‑ und Forschungsumgebung neu zu denken.
Die Studierenden arbeiten mit Cousins des HIL: ausgewählten Gebäuden in Genf, die strukturell, räumlich oder atmosphärisch verwandt sind. Durch das Transformieren dieser Cousins werden Strategien entwickelt, die auf das HIL zurückwirken können. Die Zusammenarbeit mit dem EPFL Structural Xploration Lab vertieft das Verständnis für Konstruktion, Material und Gebäudeprozesse.
Phase 1 «Action» widmet sich der aktiven Kontextlektüre: Präsenz vor Ort, sensibles Beobachten, eigene Werkzeuge definieren und eine klare Projektstrategie entwickeln. Phase 2 «Re‑Action» formuliert eine präzise Transformation, die vorhandene Qualitäten stärkt, Potenziale aktiviert und auf Veränderlichkeit reagiert.
Das Studio arbeitet kollektiv: individuelle Projekte stehen im Austausch, beeinflussen sich gegenseitig und werden im HIL‑Workshop 1:1 getestet. Ziel ist ein Lernen, das – wie in der Genfer Schule – territorial, materiell und kritisch zugleich ist.