Myco-Ceiling ist eine Forschungsinitiative, die die Integration von myzelbasierten Verbundwerkstoffen in Architektur und Bauwesen als Innenausbauelemente erprobt. Diese Biokomposite werden hergestellt, indem ausgewählte holzabbauende Pilze mit industriellen und landwirtschaftlichen Holzabfällen kombiniert werden. Während der Kolonisation wirkt das Pilzmyzel (der vegetative Teil eines Pilzes) als lebender Binder und verwandelt lignozellulosehaltige Partikel mit geringem Wert in hochwertige, leichte und formbare Platten.
Die Projektziele konzentrieren sich auf drei übergeordnete Aspekte: Skalierbarkeit, Integration und Performance. Im Verlauf des Projekts entwickeln sich die Arbeiten von kleinen Laborexperimenten hin zu integrierten, gebäudereifen Bauteilen. Strategien des Design-for-Assembly bestimmen dabei die Geometrie der Paneele, die Ausgestaltung der Kanten sowie die Befestigung, sodass sich die Biokomposite sauber in bestehende Deckensysteme, Gebäudetechnik und Wartungsprozesse integrieren lassen. Damit werden zentrale Forschungslücken bei myzelbasierten Materialien adressiert, insbesondere Fragen der Skalierung, der Konsistenz sowie eines leistungsorientierten Entwurfs.
In diesem Kontext fungiert das HIL Living Lab als Testumgebung und zugleich als öffentliche Schnittstelle. Myzel-Deckenpaneele im Massstab 1:1 werden installiert, um akustische Optimierung und gestalterische Anpassbarkeit in einer realen Umgebung zu demonstrieren. Geometrie, Porosität und Oberflächenstruktur werden parametrisch so abgestimmt, dass gezielte Frequenzbereiche absorbiert werden und gleichzeitig eine ortsspezifische Ästhetik entsteht. Iterative Messungen der Nachhallzeit, der Absorptionskoeffizienten und der Einfügungsdämpfung fliessen fortlaufend in die Weiterentwicklung der Ergebnisse ein.
