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2026

Vergoldete Gläser

Beschichtete Sonnenschutzgläser prägen die Nachkriegsmoderne, verschwinden jedoch zunehmend. Diese Abschlussarbeit der Weiterbildung MAS ETH in Built Heritage and Repair zeigt den baukulturellen und ökologischen Wert von Sonnenschutzgläsern sowie Strategien für ihren Erhalt auf.

HIL-Hoffassade mit sichtbaren Schadstellen.

Glas ist ein Schlüsselmaterial der modernen Baukultur. Gläserne und spiegelnde Fassaden stehen wie kaum ein anderes architektonisches Element für die Vorstellungen von Transparenz, Modernität und technischem Fortschritt, die insbesondere die Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre prägten. Eine besondere Rolle spielen dabei frühe beschichtete Sonnenschutzgläser, wie sie an öffentlichen Bauten und Bürogebäuden eingesetzt wurden.

Bis heute werden diese Verglasungen jedoch vorwiegend anhand ihrer technischen Kennwerte beurteilt. Bei Sanierungen werden sie deshalb häufig vollständig ersetzt. Dabei geht nicht nur historische Bausubstanz verloren: Die Herstellung neuer Verglasungen ist energieintensiv, während das Material Glas grundsätzlich eine wesentlich längere Lebensdauer aufweisen kann. Werden die gestalterischen, historischen und materiellen Qualitäten der frühen Sonnenschutzgläser nicht erkannt, droht ein charakteristisches Element der Nachkriegsmoderne schrittweise zu verschwinden.

Erhalten statt ersetzen

Die MAS-Abschlussarbeit «Vergoldete Gläser» von Yael Liebetrau untersucht deshalb, warum und unter welchen Bedingungen solche Verglasungen erhalten werden können. Sie verbindet denkmalpflegerische Fragestellungen mit ökologischen Überlegungen zur Verlängerung von Nutzungsdauern sowie zur Reduktion von Primärenergieverbrauch und Deponieabfall.

Auf der Grundlage von Material- und Systemanalysen werden unterschiedliche Erhaltungsstrategien für Sonnenschutz-Isolierverglasungen untersucht. Das Spektrum reicht von der Lebensdauerverlängerung bestehender Einheiten und additiven technischen Verbesserungen über Lösungen mit maximalem Erhalt der Originalsubstanz bis zum kontrollierten Auseinanderbauen und Wiederzusammenbauen. Auch die Reproduktion unter Einsatz neuer Technologien wird betrachtet. Welche Strategie angemessen ist, hängt vom jeweiligen baukulturellen, historischen, technischen und ökologischen Wert einer Verglasung ab.

Vom Fallbeispiel zur Erhaltungsstrategie

Anhand bestehender Referenzen und des HIL-Gebäudes der ETH Zürich auf dem Hönggerberg als Fallbeispiel zeigt die Arbeit konkrete Handlungsmöglichkeiten auf und beurteilt deren technische, ökologische und denkmalpflegerische Tragfähigkeit. Damit leistet sie einen Beitrag zu einem differenzierteren Umgang mit glasreichen Bestandsbauten – und zeigt, wann Erhalt und Wiederverwendung eine sinnvolle Alternative zum vollständigen Austausch darstellen können.