Anhand des HIL-Gebäudes zeigen die Ergebnisse, dass graue Emissionen in Sanierungsszenarien eine zentrale Rolle spielen. Biobasierte Dämmstoffe wie Zellulose oder Stroh schneiden dabei deutlich besser ab als konventionelle Materialien wie EPS-Dämmstoffe. Eine Reduktion des U-Werts verbessert die CO₂-Bilanz (GWP) für alle untersuchten Materialien – mit Ausnahme von EPS – bis zu einem Wert von etwa 0,25 W/m²·K (gemäss SIA 380/1). Bei EPS hingegen steigen die Emissionen bereits mit zunehmender Dämmstärke.
Im Vergleich dazu erweist sich eine Reduktion des Fensteranteils (WWR) als wirksamer für die CO₂-Reduktion als eine weitere Erhöhung der Dämmstärke. Verbesserungen bei der Verglasung senken die betrieblichen Emissionen um rund 14 %, während ein Wechsel des Dämmmaterials bei konstantem U-Wert lediglich etwa 2 % Einsparung bringt. Auch die Ausrichtung der Fassade hat einen erheblichen Einfluss, weshalb ein einheitliches WWR über alle Fassaden hinweg nicht zielführend ist.
Mit der Umstellung auf CO₂-arme Energiesysteme gewinnt zudem die Optimierung der Gebäudetechnik (HVAC) an Bedeutung – reine Materialwechsel reichen nicht aus. Die Studie zeigt, dass thermische Sanierungen nicht nur als technische Effizienzsteigerung verstanden werden sollten, sondern als strategische Chance, CO₂-Reduktion, Komfort und räumliche Qualität miteinander zu verbinden und so Netto-Null-Ziele zu erreichen.
Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Materialwahl, Fassaden- und Raumkonfiguration sowie der Integration der technischen Systeme, um die Wirkung von Sanierungen langfristig zu maximieren.
