Das Lehrprojekt im Pflichtkurs Digital Theory and Culture (FS26 Computational Design IV) führt rund 350 Bachelor-Studierende des D-ARCH in den experimentellen Umgang mit Punktwolken ein. Die hochauflösende 3D-Erfassung des HIL-Gebäudes dient dabei nicht nur der Dokumentation, sondern wird erstmals als aktives Entwurfsmedium eingesetzt.
Im Zentrum steht die Frage, wie der bestehende Gebäudebestand kreativ transformiert werden kann. Anstatt mit einem leeren Blatt zu beginnen, arbeiten die Studierenden mit der Punktwolke des HIL als Sammlung räumlicher Fragmente. Dieses formbare digitale Material kann mit den Programmen Rhino und Blender geschnitten, extrahiert und neu zusammengesetzt werden. In Anlehnung an die einschneidenden Eingriffe von Gordon Matta-Clark in Gebäude entstehen digitale Schnitte und räumliche Collagen. Diese machen verborgene Bezüge im Gebäude sichtbar und ermöglichen alternative Lesarten.
Das Projekt vermittelt fortgeschrittene Kompetenzen in Punktwolkenverarbeitung und digitaler Komposition und eröffnet zugleich eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Potenzial adaptiver Wiederverwendung.
Für das HIL entsteht ein umfassendes visuelles Zukunftsarchiv: 350 individuelle, teils weitreichende Interventionen demonstrieren das transformative Potenzial seines digitalen Zwillings. Das Gebäude wird so zu einem Experimentierfeld, das neue Perspektiven auf den Umgang mit unserem alltäglich genutzten Raum eröffnet.
