Der zehnjährige Umbau des HIL wird das Gebäude schrittweise verschliessen, verpacken und standardisieren. Gleichzeitig legt dieser Prozess eine grundsätzliche Schwäche offen: Das HIL war nie als Ort für architektonisches Lernen gedacht. Seine tiefen, niedrigen und geschlossenen Räume stehen im Widerspruch zu den räumlichen Anforderungen einer Lehre, die auf körperlicher Erfahrung, Materialien, Lärm, Reibung und direktem Austausch basiert. Architektur entsteht nicht in abgeschlossenen, sterilen Innenräumen, sondern in Auseinandersetzung mit Stadt, Atmosphäre und dem Unerwarteten.
Vor diesem Hintergrund rückt das Studio die Tradition temporärer Zürcher Schulbauten in den Fokus: sogenannte Fliegende Bauten. Diese beweglichen, leicht errichtbaren und ebenso leicht rückbaubaren Strukturen bieten Qualitäten, die im HIL fehlen – flexible Bewilligungen, reduzierte Fundationen, grosszügige Höhen, nicht standardisierte Volumen und offene, lärm- und experimentierfreundliche räumliche Hüllen. Sie ermöglichen Nutzungen, die dem prozesshaften Charakter architektonischer Produktion entsprechen: Bauen, Testen, Prototypisieren und gemeinsames Erfinden in Echtzeit.
Das Studio versteht temporäre Architektur nicht als Provisorium, sondern als eigenständige räumliche Intelligenz. Die besten Lernorte des Departements – vom Globus Provisorium bis zu den weissen Zeichensälen – waren stets solche Zwischenarchitekturen: gedacht für kurze Zeit, aber verlängert, weil sie funktionierten. Indem fliegende Bauten als ernstzunehmende räumliche Option entwickelt werden, entsteht ein Gegenmodell zum dauerhaft geschlossenen HIL: ein offenes, experimentelles und anpassungsfähiges Lernumfeld, das die Grundlagen der Architekturlehre neu definiert.
