Das Studio versteht das Arbeiten am Bestand als zentrale architektonische Aufgabe. In einer Zeit, in der der Umgang mit vorhandenen Strukturen als neue Haltung gehandelt wird, erinnert der Ansatz daran, dass Architektur schon immer aus Transformationen, Ergänzungen und Weiterführungen bestanden hat. Von historischen Spolien bis zu heutigen Re‑Use‑Praktiken zeigt sich, dass Bauen im Bestand weniger mit radikalem Neuanfang als mit präzisen Eingriffen verbunden ist, die Material, Konstruktion und räumliche Organisation ernst nehmen.
Ausgangspunkt ist das HIL, betrachtet als universitärer Ort, alltäglicher Lebensraum und architektonische Substanz. Das Gebäude soll innerhalb seiner strukturellen, kulturellen und räumlichen Bedingungen erneut gelesen werden. Als konzeptuelles Werkzeug dient Richard Serras „Verb List“, deren operative Verben räumliche Aktionen formulieren: schneiden, subtrahieren, verdichten, verschieben, öffnen. Aus einem solchen Verb wird eine räumliche und konstruktive Strategie entwickelt, die sich vom Detail bis zum Campus ausdehnen kann. Ergänzungen werden als gemeinsame Nenner vorausgesetzt und eröffnen die Möglichkeit, das HIL in verschiedene Richtungen weiterzudenken – programmatisch, konstruktiv oder im Massstab einzelner Elemente.
Zugleich begreift das Studio jeden Zustand des Gebäudes als temporär und jede Intervention als Teil eines Prozesses fortlaufender Transformation. Die Auseinandersetzung mit dem HIL dient damit auch der grundsätzlichen Frage, wie architektonische und institutionelle Strukturen so gestaltet werden können, dass sie gemeinschaftliches Leben, unterschiedliche Nutzungen und die komplexen Anforderungen eines Architekturinstituts dauerhaft unterstützen.